Dramatisch Corona-Todesopfern in Indien vs. Zahlendjungel und religöse Gegebenheiten
An immer mehr Tagen hört und liest man Horrorzahlen aus Indien
die Rede ist von Tausenden Neuinfektionen pro Tag,
aber auch Toten
Die schockierendsten Bilder waren hierzulande eben die Vermeldung von über Tausenden von Toten. An einem Tag wurden 2263 im Kontext zu einem Video genannt, in dem die Toten auf einer öffentlichen Fläche verbrannt wurden. Genau genommen wurden sie in Neu Delhi verbrannt, doch starben diese Menschen nicht alle an einem Fleck sondern in einem Land, dass 2019 1,36 Milliarden Einwohner zählte, 2020 waren es bereits 1,38 Milliarden.
Öffentliche Verbrennung von Hochinfektiösen Körpern? Auf Social Media fanden wir nichts was die ortsübliche Norm sprengt. Aber gut, dass die meisten hier zu Lande, solche Bilder mit denen der Pest vergleichen.
Doch auch sonst ist das Land der Doppelmutation, leider auch bekannt dafür, dass allerhand umweltschädliche Dinge verbrannt werden oder in das Abwasser gelangen. Und ja in Indien ist es nicht einmal unüblich auch die Toten im Freien zu verbrennen, wie man in diesem wirklich sehenswerten Video sieht. Es ist also eher eine alte Tradition des Hinduismus.
Der Körper des Verstorbenen wird gewaschen, neu eingekleide in ein weißes Tuch gehüllt, oder auch goldene oder silberne Folien, geschmückt mit roten Blumen. Der Tote wir dauf eine Bahre aus Bambusstöcken zum Fluss getragen. Am Trauerplatz ist Holz aufgeschichtet, dass ein Sohn des Toten mit einem Topf voll glühender Kohlen entzündet.
Die Priester sindne Gebetsmantras während der Sohn den Körper des Verstorbenen mit einer Fackel umrundet. Nach der Bestattungszeremonie waschen und baden die Angehörigen sich im Fluss und gehen heim.
Nach einigen Tagen wird die Asche in einen heiligen Fluss Gages gestreut.
Babys, Kleinkinder oder Schwangere, aber auch Leprakranke oder Bettelmönche werden nicht verbrannt, sondern im Ganges bestattet oder bekommen ein Erdgrab.
Die Leichenbestatter genannt Doms, gehören zur untersten Kaste, zu den Unberührbaren. Um so erstaunlicher zu hören, dass man in Veranasi von einem König spricht, "Dom Raja" . Obwohl auch er zur Kaste der Unberührbaren gehört, soll er Multimillionär sein.
Er besitzt Ländereien und Immobilien, verstreut über ganz Indien. Gold, Silber, Edelsteine und doch sagt er "Mir bleibt nichts, ich muss alle meine Verwandten versorgen". Denn, er lebt mit Frau, seinen drei Kindern und rund 40 Verwandten in einem alten Haus, direkt am Ganges. Vergilbte Wände, schäbiger Boden, altes abgewetztes Mobiliar in dunklen Räumen.
Jagdish Choudhury heißt der König der Toten, der Herr über die heiligsten Verbrennungsstätten Indiens, das Manikarnika Ghat. Ein Schwergewicht, lümmelt am Rande von unzähligen Scheiterhaufen in einem Ruderboot. Unweit von ihm verkohlen Menschenkörper, während Kühe die Hinterlassenschaften nach Essbarem durchstöbern. Am Flussufer sieben Arbeiter die Asche der Toten, auf der Suche nach Goldzähnen.
Zum Dev Diwali Festival sieht es hier auch mal etwas festlicher aus, als in der üblichen Tristesse.
"Früher", sagt er, "war das Leben simpel. Wir hielten Tiger, Alligatoren und Krokodile in unseren Häusern, und kein Gesetz konnte uns das verbieten. Die Menschen strebten nach ,'Moksha', der ewigen Glückseligkeit. Alles war eindeutig in früheren Tagen. Das waren gute Zeiten."
Jetzt gibt es selbst dort in Varanasi einen Lockdown, was jedoch nicht heißt, dass es deshalb weniger öffentliche Verbrennungen gäbe.
In den Dörfern von Uttar Pradesh wird Covid-19 zum stillen Mörder. Dort sterben Menschen an Fieber und Atemnot, noch bevor sie auf die Krankheit getestet werden können, geschweige denn einen Arzt zu Gesicht bekommen. Und viele die doch bei einem Arzt ankommen, werden den Angehörigen wieder als Leiche übergeben, denn es fehlt an medizinischer Ausrüstung, vor allem für unterstüztende Sauerstoffversorgung.
Leider ist auch das nichts neues in Indien, so gab es auch in der Vergangenheit schon Berichte über Menschen während den vielen Stunden des Wartens noch, verstarben.
Die Grundlage für Horrorzahlen werden in in Nordeuropa allerdings oft vom Kontext losgelöst präsentiert. Manchmal sind sie wirklich so dramatisch, manchmal jedoch auch nur ein Mittel, dessen Zweck man hinterfragen darf. Der Ansatz sollte nehmen einer weiteren Aufzählung von Daten, Zahlen, Fakten und Berichten eben einfach auch immer sein, sich das Land an sich anzuschauen und was dort über viele Jahre hinweg, eben die übliche Norm war, für die sich hierzulande nur eben kaum einer interessierte.
Doch selbst wenn man Corona und die Fakten für sich betrachtet ist es eben eine vielschichtige Problematik im Land Indien.
Was kommt also in Frage, oder was fehlt im Kontext um tatsächlich eine ganzheitliche Betrachtung anzustreben?
- Indien hat die Corona Doppelmutation im Land
- Indien steht auf Platz 4 der Luftverschmutzungen, was natürlich kontraproduktiv ist bei Atemwegserkrankungen und Symptome verstärkt.
Indien hätte präventiv vorgehen können, Der Listenführer Dhaka z.B. hat neulich in DNCC Bhaban, Mohakhali das größte Covid Krankenhaus eröffnet. Die 1000-Betten-Einrichtung verfügt über 450 allgemeine Betten, 112 Intensivbetten, 250 HDU-Betten und 50 Notfallbetten. Die Hauptbetten haben eine zentrale Sauerstoffversorgung. - Indien hat jedoch kein besonders gutes Gesundheitssystem. Es gibt im Vergleich zu Deutschland deutlich weniger Intensivbetten und Beatmungsgeräte etc. Die Tageschau berichtete bereits sehr sauber darüber, warum der Zahlenvergleich täuscht.
- Es fanden einige größere Feste in Indien statt, zuletzt das Kumbh Mela Fest, wobei mehr als 30 Millionen Gläubige zusammengekommen sein sollen. 50.000 Menschen wurden zum Fest in Haridwar getestet, 1.002 davon waren positiv. "erichte über Infizierte bei dem Fest gehen indes teilweise weit auseinander. Während die "Hindustan Times" von mehr als 1.000 Neuinfektionen in 48 Stunden schreibt, meldet die "Times of India" an diesem Mittwoch mehr als 120 positiv getestete Pilger."
Im hinduistischen Glauben manifestiert sich der Amrit im Wasser des Ganges. Ein Bad im Ganges während des Kumbh Mela befreit von allen Sünden. - Jeder dritte Proband in Indien sollte bereits Antikörper haben, so dass man schon von einer Herdenimmunität sprach. Hätte man nun mit derartigen Zahlen gerechnet?
- Höchstzahlen gab es offenbar auch schon im Sommer.
- Schließlich wurde schon im letzten Jahr berichtet, dass positive Test nicht gleich bedeutend ist mit krank sein.
- Ja ggf. sind auch Impftote unter den Toten, schließlich hatte Indien die größte Impfkampagne der Welt gestartet.
Ich denke, die Gründe für die dramatische Lage in Indien ist vielschichtig.
Da auch aus Indien nicht alle Hintergründe und Zahlen transparent sind, würde ich mich nicht aus dem Fenster lehnen und eine Ursache allein für die aktuellen Zahlen, als Verursacher hinstellen.

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