Erste Reihe

Berlin, 24. Juni 2017



Wie steht es um Euch meine Freunde, Bekannte, Nettworker und all jene die gerade mehr oder minder zufällig über diesen Beitrag stolpern?


Setzt ihr Euch in die 1. Reihe?
...wann immer sich Euch die Gelegenheit dazu offenbart?
Reiht ihr Euch vielleicht irgendwo in der Mitte ein?
Oder stellt ihr Euch hinten an?

Wenn ich meine eigene Geschichte Revue passieren lasse, bin ich wohl -Stück um Stück- aufgerückt. Es gab eine Zeit in der ich hinten blieb, unsicher ob die neue Saalluft überhaupt etwas für mich ist, schön dicht an der Tür, um im Zweifelsfall schnell den Rückzug antreten zu können.
Was hier im Vordergrund stand war der Gedanke "Und was ist wenn ich es nicht mag?" aus dieser Sicht ist es auch heute noch okay für mich erst einmal nur zu schnuppern und doch, stand dem ein viel tragender Gedanke im Wege: Ich liebe die Vielfalt! Für mich sind es gerade die vielen verschiedenen Facetten, die mich bereichern, die sich verknüpfend vernetzen lassen und somit ein unerschöpflicher Pool für mich sind, aus dem sich so viel Neues schöpfen lässt.

...und so hinterließen derartige Selbsttest den faden Beigeschmack von Frust, denn viel zu oft begleitete mich das Gefühl, dass ich schon gerne `näher dran gewesen wäre´, um noch mehr mitnehmen zu können.

…und dann und wann gesellte sich im Abgang sogar eine Spur von Neid dazu, an jenen Tagen an denen ich mich bei dem Gedanken ertappte, ob ich vielleicht auch gerne auf die Bühne gerufen worden wäre.

…nur eine Gedanke? Ein Gedanke den ich von hinten betrachtet, schnell verwarf. Wer bin ich schon?
Hier hinten bin ich auf jeden Fall sicher, hier werde ich nicht aufgerufen, denn wer im Grau der Masse untertaucht ist schlicht und ergreifend un-sicht-bar. Aber wehe jemand sagte zu mir „Stell dich hinten an“, nein derart gestrickte Sätze schmeckten wir noch nie. Was glaubt der Typ eigentlich wer er ist, mich des Platzes verweisen zu können? Oder was glaubt er eigentlich wer ich bin, dass ich mich anzustellen habe? Und die Nachrückenden fragten mich warum ich mich so anstelle, was denn falsch sei an ihren Reihen. Das waren eben jene Gedankenkarusselle aus denen ich nur noch mit einem lauten Aufschrei aussteigen wollte.

"Was wäre wenn?"... ist eine Frage die ich mir in meinem Leben nie stellen wollte; eine Frage die sich nun jedoch immer mehr in den Vordergrund schob. Eines stand für mich nunmehr fest, all dieses "hätte", "wollte", "würde", "könnte"... dieser Knoten im meinem Kopf würde sich wohl erst lösen, wenn ich eben `näher dran´ bin, wenn ich den ersten Schritt mache und weiter in die Richtung gehe die mich wachsen lässt.
...und so saß ich irgendwann mitten im Saal, dann in der 5. Reihe und auch dann und wann in der 2. Reihe. Und wisst ihr was? Das fühlte sich wirklich besser an. Hinten schwappt die Welle der Emotionen des Saals –aus-, weiter vorne wird die Quelle dessen spürbar. :-)
Dort angekommen interessiert es mich auch herzlich wenig was andere darüber denken was ich mir einbilde, vorn zu sein.

...und was blieb von dort aus betrachtet, eigentlich von der Frage, was denn wäre wenn… ich es nicht mag? Ganz einfach: Wenn dem so ist, gehe ich halt wieder; schließlich bin ich ein freier Mensch und somit bin ich auch niemanden im Saal Rechenschaft schuldig. ;-)
Ich war Anfang 20 als mir jemand sagte: "Hoffe aufs Beste, aber rechne mit dem Schlimmsten." ein Satz der mich lange Zeit prägte, ein Satz den ich heute zwar nicht in jeder Situation unterschreiben würde, jedoch noch immer etwas abgewinnen kann. Aus einem ganz bestimmten Blickwinkel ist es eine Perspektive die befreiend wirken kann.

"Hoffe aufs Beste, aber rechne mit dem Schlimmsten." Ja, manchmal reicht es schon, allein die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass selbst in einem Worst Case Szenario, wir selbst diejenigen welchen sind, die es in der Hand haben, ob wir eine Opferrolle einnehmen wollen, oder die Situationen die uns nicht schmecken auch nicht hinunterzuschlucken, sondern uns einfach umzudrehen und eine Richtung einzuschlagen die uns wirklich entspricht.


Auch heute stelle ich mich gerne noch ans Ende eines Saals... in den Pausen ;-) um die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen, in dem Versuch die Größe des Saals zu begreifen. . .
und wenn ich dann wieder nach vorn gehe, zu meinem Platz, möchte ich wie ein kleines Kind gerne auf nahezu jede Bühne springen um von dort aus, vielleicht eher die Reichweite begreifen zu können. Und so ist wohl alles im Leben eine Frage der Perspektive.


Schlussendlich war es diese „latente Unzufriedenheit“ die mich aus meiner Komfortzone trieb. Für mich war es schlicht und ergreifend der nächste logische Schritt.

Mal ehrlich: Inwiefern bietet -irgendjemanden auf dieser Welt- das Gefühl von Frust einen kuschligen Komfort? Ich weiß ja nicht wie es Dir geht, aber für mich ist es nur eine Frage der Zeit bis das Verweilen im Altbekannten -für mich- zu einem zunehmend unbefriedigenden Ort der Stagnation wird.

Mal ehrlich: Das Gefühl von Frust empfinde ich wirklich nicht als komfortabel. Mein Hier und Jetzt wird unbequem, vis a vis, dessen dass es noch mehr gibt im Leben. Und so trotze ich inzwischen mit einem Schulterzucken dem Gegenwind, wenn es mal wieder heißt: „Stell Dich gefälligst hinten an!“ denn m i r gefällt es dort einfach nicht. ;-) Und wenn Dir nicht gefällt wo Du bist, dann ist es vielleicht einfach an der Zeit aufzuhören, primär anderen zu gefallen, in dem Du wieder und wieder zurück fällst um Dich wieder und wieder hinten anzustellen.
Mal ehrlich: Wenn sich eh schon dieser Un-Frieden in der Unzufriedenheit in uns breit macht, macht es doch keinen Unterschied mehr ob man bleibt oder geht… oder? Doch, denn das Verlassen unserer Komfortzone bietet immer die Chance zu wachsen. :-)


Und wenn Dir wieder der Wind entgegenschlägt mit einem: „Was glaubst Du, wer Du eigentlich bist?“ Ja dann denke doch ein einziges Mal wirklich über diese Frage nach. Mach Dich nicht kleiner als Du bist. Erkenne Dein Potential zu wachsen.

Und manchmal schadet es auch nicht, genau hinzuschauen aus welcher Richtung der Wind weht.


Inzwischen sträube ich mich nicht mehr gegen die Frage: „Was wäre wenn?“. Zumindest sträube ich mich nicht mehr dagegen, seit ich mich des Ursprungs meines Widerstandes besann. Die eigentliche Frage die ich mir nie stellen wollte war: „Was wäre gewesen wenn?“ denn ich wollte Chancen ergreifen um nicht irgendwann voll von Bedauern zurückzublicken, auf verpasste Gelegenheit.

Alles im Leben hat seinen Sinn. So auch die Frage im heute, wenn wir die Perspektive wechseln.

Was wäre denn wenn? Was wäre denn, wenn man mich oder vielleicht auch Dich tatsächlich aufrufen würde? Was wäre wenn wir uns mal nicht um die Frage scheren, warum irgendjemand gerade uns auf die Bühne bitten sollte? Was wäre denn, wenn wir uns mal nicht fragen, was wäre wenn wir scheitern sollten – denn mal ehrlich die Antwort auf diese Frage liegt bereits auf der Hand: Wir lernen daraus. Aber was –dann- tatsächlich passiert, erfahren wir schlicht und ergreifend erst wenn wir tatsächlich in dieser Situation sind. Ja, wir könnten scheitern, wir könnten aber auch Erfolg haben.



Was wäre denn wenn wir alle mal diese Fragen umkehren und uns fragen, was wäre wenn wir tatsächlich Erfolg haben? Was wäre wenn wir die Möglichkeit bekommen nicht nur in der ersten Reihe zu sitzen, sondern selbst auf der Bühne zu stehen und tatsächlich eine Bedeutung zu haben und wenn wir wirklich die Chance nutzen würden all die Menschen zu erreichen die in diesem Saal sitzen.
Warum glauben wir eigentlich so oft, dass das unmöglich wäre?
Wir begegnen Tag für Tag so vielen Menschen, in unserem eigenen Saal Namens Leben.

Die Zeit die wir nutzen können entschwindet unwiederbringbar Tag für Tag. Zeit ist unser kostbarstes Gut. Ich wünsche jedem einzelnen die Klarsicht Chancen zu sehen, ebenso wie die Kraft sie zu nutzen. Carpe diem. Jeder Tag ist voll von Facetten, voll von inspirierenden Momenten und belebenden Augenblicken um sagen zu können: Heute ist ein guter Tag um einen bedeutenden Schritt weiter nach vorne zu gehen.


Herzliche Grüße aus der bärenstarken Stadt Berlin


Eure Daniela von Hürdenflug

Kommentare

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  2. Sehr wahre Worte und ich schließe mich gerne mit folgendem Zitat an was ich seit einiger Zeit, mal mehr und mal weniger, zu meinem Lebensstil gemacht habe:
    carpe diem, carpe noctem!

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    1. Nutze Tag und Nacht, denn gedenke das Du sterben wirst. ...sinngemäß... das Hauptmotiv im Barock, zwischen Todessehnsucht und Lebensgier, das Hier und Jetzt zu nutzen im Angesicht dessen, dass wir alle vergänglich sind.
      *harrharr* Mei ich sollte langsam mal ins Bett gehen. :D

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